Ende August müssen die Stromversorger jeweils die Preise fürs kommende Jahr bekannt geben. Diese Ankündigung hat es dieses Jahr in sich. Für einige Haushalte bedeutet sie jährliche Mehrausgaben von mehreren Hundert Franken. Der Hochtarifstrompreis für Energie und Netznutzung ohne Abgaben steigt in Kloten zum Beispiel um 90 Prozent, vor allem weil der Energiepreis 2,5-mal höher als im Vorjahr ist. «Die Preisbildung an den Strombörsen hat derzeit den Bezug zur Realität verloren», schreiben die Industriellen Betriebe Kloten. Der Stromversorger war bisher der günstigste Anbieter im Unterland.

Noch höher ist der Aufschlag in Glattfelden, wo sich der Tarif fast verdoppelt. Ebenfalls hoch ist der Anstieg in Otelfingen mit 83 Prozent. Den geringsten Aufschlag verzeichnet Energie Opfikon mit 18 Prozent, die damit neu zu den günstigsten Anbietern gehört. Günstiger bei einem Plus von 31 Prozent sind nur die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich, die einen Grossteil der Gemeinden im Unterland versorgen. Noch nicht bekannt sind die Tarife der Versorger in Dietlikon und Weiach. Als Grund für die Preisexplosion werden die Folgen des Ukraine-Kriegs und die stillstehenden Kernkraftwerke in Frankreich genannt.

Es ist ein beachtlicher Batzen, den die Haushalte im kommenden Jahr für den Strom mehr bezahlen müssen. «Unsere Einkaufspreise der Energie für das Jahr 2023 sind um rund 100 Prozent gestiegen und steigen weiter steil nach oben», schreibt etwa das Elektrizitätswerk Rümlang auf dem neuen Tarifblatt. Zudem seien auch die Netzkosten gestiegen. Für einen typischen Haushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 4500 Kilowattstunden heisst das Mehrkosten von 42 Franken pro Monat. In Oberglatt, das ebenfalls von diesem Anbieter versorgt wird, sind es monatlich 33 Franken. Der Aufschlag beim Strompreis – zum Hochtarif und ohne Abgaben gerechnet – beträgt damit 56 beziehungsweise 53 Prozent. Doch das ist nicht der happigste Preisaufschlag im Unterland. In Kloten ist der Aufschlag mit satten 90 Prozent deutlich höher. Das liegt insbesondere am Kostenanteil des Energiepreises. Dieser ist 2,5-fach höher als im Vorjahr. Laut den Industriellen Betrieben Kloten (IBK) ergibt das Mehrkosten von monatlich 45 Franken für einen durchschnittlichen Haushaltsund Gewerbekunden.

«Bezug zur Realität verloren» Im Schreiben an die Haushalte werden die IBK deutlich: «Die Preisbildung an den Strombörsen hat derzeit den Bezug zur Realität verloren.» Wer heute Strom für den Winter 2023 einkaufe, müsse an den Strombörsen rund zwanzigmal mehr bezahlen als vor einem Jahr. Trotz des Anstiegs: «Durch eine optimierte Energiebeschaffung über mehrere Jahre konnte die Preisexplosion an der Börse etwas abgefedert werden.» Der Vergleich mit anderen Gemeinden zeigt, dass der Strom nun weder in Rümlang und Oberglatt noch in Kloten viel teurer ist als in anderen Gemeinden. Kloten war bisher der günstigste Anbieter. Jetzt hat Kloten zwar einen teuren Preis, der aber nicht weit über dem Preis von beispielsweise Wallisellen liegt, wo der Aufschlag mit 36 Prozent viel tiefer ausfällt. Den höchsten Anstieg verzeichnet Glattfelden mit beinah einer Verdoppelung des Tarifs. Die Genossenschaft Licht- und Kraftwerk Glattfelden hat so mit Abstand den höchsten Strompreis im Unterland. Ebenfalls hoch ist der Anstieg in Otelfingen mit 83 Prozent.

Opfikon mit geringem Anstieg Den geringsten Aufschlag von rund 18 Prozent verzeichnet Energie Opfikon. Die Stromrechnung eines Vierpersonenhaushalts werde so durchschnittlich um 15 Franken pro Monat teurer, heisst es in der Mitteilung. Damit gehört Opfikon nun zu den günstigsten Anbietern. Nur ein Stromversorger ist bezüglich Hochtarifstrompreis ohne Abgaben günstiger – und zwar die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ), wo der Aufschlag 31 Prozent beträgt. Das bedeutet laut Mitteilung für einen Zweipersonenhaushalt mit einem jährlichen Verbrauch von 2500 Kilowattstunden etwa 11 Franken mehr pro Monat. Die EKZ beliefern mit 35 von 44 Zürcher Gemeinden viele Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher im Unterland. In den beiden Schaffhauser Exklaven Buchberg und Rüdlingen, die trotz ihrer geografischen Lage im Rafzerfeld vom Elektrizitätswerk des Kantons Schaffhausen (EKS) versorgt werden, steigt der Preis um 27 Prozent. Noch nicht bekannt sind die neuen Strompreise der Versorger in Dietlikon und Weiach. Für den Vergleich der Strompreise wurde der Hochtarif für das Standardangebot von Haushalten herangezogen. Die angegebenen Prozentzahlen können trotzdem nicht direkt auf die private Stromrechnung angewendet werden, weil zu Vergleichszwecken lediglich die Preise für Energie und Netznutzung berücksichtigt wurden, nicht aber die obligatorischen Abgaben pro Kilowattstunde. Da die Preise bei rund 20 bis 30 Rappen liegen, erscheint eine Erhöhung um wenige Rappen auch rasch als massive Steigerung.

Mehrere Gründe für die Preisexplosion Doch warum steigt der Strompreis auf das kommende Jahr so ausserordentlich stark? Die Energieversorger begründen dies unterschiedlich. Einerseits fehlt Energie, weil französische Kernkraftwerke wegen technischer Probleme stillstehen und Wasserkraftwerke wegen des tiefen Wasserstands weniger Strom produzieren können. Andererseits sind wegen des Ukraine-Kriegs die Preise für Kohle und Gas stark gestiegen. Das wirkt sich auf den Strompreis aus. Anteil am Anstieg hat auch, dass der Strom, der bei der Übertragung verloren geht, mehr kostet. Zudem muss ins Stromnetz investiert werden.

Quelle: Zürcher Unterländer vom 1. September 2022

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