Von den USA ins Unterland Während sich im amerikanischen York dutzende Familien zum jährlichen Treffen der «Glattfelders» versammelten, besuchte ein Paar aus North Carolina das Unterland

Koni Ulrich Der Anfang ihres ausgefüllten Tages verlief nicht ganz plangemäss. Weil sie auf keinen Fall den Ausstieg aus der S9 verpassen wollten, übten Tod und Diane Hildenbrand den Ernstfall gleich beim ersten Bahnhof mit dem Namen Glatt – Glattbrugg statt Glattfelden – und mussten dann eine halbe Stunde pausieren. Die zwei tragen zwar nicht den Familiennamen Glattfelder, zählen sich aber trotzdem zur grossen Auswanderergruppe, die im 18. Jahrhundert zusammen mit Casper Glattfelder in Pennsylvanien siedelte. Tods Vorfahren stammen aus dem Weiler Eschenmosen, wo bis heute mehrere Hildenbrands wohnen, wie später noch herausgefunden werden sollte.

Besuch in der Kirche und im «Löwen» Beim Besuch in der reformierten Kirche Glattfelden überreichte Pfarrerin Kati Rechsteiner den beeindruckten Amerikanern ein Zertifikat. Wenn auch die Kirche nicht mehr ganz dieselbe ist, wo Casper Glattfelder getauft und verheiratet wurde, der Taufstein ist der originale und der Ort macht Eindruck. Anschliessend verschob sich die Gruppe, zu der weitere «Glattfelder» – unter anderem aus dem Elsass – stiessen, Richtung Restaurant Löwen, welches Vincenzo Palmeri eigens für die angemeldeten Gäste öffnete. Nun galt es, Geschichten auszutauschen, mal in Englisch, mal in Französisch und in diversen Zwischenformen. Für den nicht mehr zur Wahl angetretenen Gemeindepräsidenten Ernst Gassmann, war es die Gelegenheit, das Zepter in Sachen «US-Glattfelder»-Pflege an seinen Nachfolger Marco Dindo weiterzureichen.

Pure Nostalgie im Weiler Eschenmosen Schlusspunkt der Tour war dann Eschenmosen. Man kann nur erahnen, was es für Tod und Diane bedeutete, durch den Weiler zu flanieren. Tatsächlich wurden die beiden am Ortsausgang sogar noch fündig, wo Jörg Hiltebrand den Garten spritzte. Erfreut über die interessierten Besucher holte er gleich seine 93-jährige Mutter Vreni herbei und posierte mit ihr für ein Bild fürs Familienalbum. Hier hatte also alles begonnen. Hier hatte eine Gruppe Schweizer beschlossen, in Amerika ein hoffentlich besseres Leben zu finden. Tod Hildenbrand kann zumindest sagen, dass er ein gutes hatte, wenn er – inzwischen pensioniert – zurückblickt. Er war Zeit seines Lebens beim FBI beschäftigt und musste oder durfte mit seiner Familie alle paar Jahre an einen anderen Wohnort umziehen. Heute geniesst er mit Diane das freiwillige Reisen.
Quelle: Z¨ürcher Unterländer vom 19. August 2022

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