Stelle gestrichen, achtmal so teuren Kunstrasen genehmigt.

Gemeindeversammlung in Glattfelden. Die Gemeinde wird sich in den kommenden Jahren hoch verschulden. Trotzdem wurde das Budget um einen Kunstrasenplatz erhöht.
(Quelle: Manuel Navarro, Zürcher Unterländer)

Die Konten der Gemeinde Glattfelden werden in den nächsten Jahren geplündert. Zahlreiche Investitionen stehen an, darunter eine Erweiterung des Schulhauses, was allein schon über 15 Millionen Franken kostet. Das Nettovermögen, welches heute etwa 26 Millionen Franken beträgt, wird bis 2028 aufgebraucht und zur Nettoschuld von über 30 Millionen Franken.

An der Gemeindeversammlung am Donnerstag fasste Finanzvorsteherin Michèle Dünki-Bättig (SP) die Situation wie folgt zusammen: «Die aktuelle Finanzlage zwingt uns als Gemeinde, Investitionen zu vernachlässigen, die keine Priorität haben.» Monatelang hätte man im Budgetprozess um die einzelnen Investitionen gerungen, jedes Mal genau überprüft, ob man etwas nicht vielleicht ein wenig günstiger machen könnte.

Dass das Geld also knapp ist, wussten wohl die meisten der 184 Glattfelderinnen und Glattfelder, die in der Mehrzweckhalle an der Versammlung teilnahmen. Sie trafen angesichts dieser Situation indes eine überraschende Entscheidung.

1,6 Millionen Franken für einen Kunstrasen

Auftritt Werner Balmer. Der Mann ist in Glattfelden bekannt, er ist Präsident des FC Glattfelden. «Wir haben ein Problem: Wir haben mit den klimatischen Verhältnissen zu kämpfen», sagte Balmer in seinem Votum. Während 43 Wochen im Jahr würden rund 200 Verbandsspiele und Turniere organisiert und fast 1100 Trainingseinheiten durchgeführt, im Schnitt also zwei- bis dreimal pro Woche.

Doch immer öfter mache das Wetter diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. 2024 mussten 189 Trainings abgesagt werden, «das sind über 15 Prozent».

Der FC Glattfelden will deshalb einen seiner Rasenplätze durch einen Kunstrasenplatz ersetzen. «Auf einem solchen Allwetterplatz kann man eigentlich immer spielen, ausser er ist durchgefroren», so Balmer. Kostenpunkt: 1,6 Millionen Franken. Der FC Glattfelden mit seinen 400 Mitgliedern will davon 800’000 Franken selbst übernehmen. «Ich beantrage, im Budget 2025 weitere 800’000 Franken für den Bau des Kunstrasens einzusetzen.»

Es braucht noch eine Abstimmung

Auf Balmers Antrag hin gab es Applaus, aber auch kritische Voten. So wurde etwa befürchtet, dass ein Kunstrasenplatz höchstens 10 Jahre halten würde und dass durch die hohen Beschaffungskosten allenfalls eine Steuerfusserhöhung drohen würde.Ein weiterer Kritikpunkt: Im Budget war bereits ein zinsloses Darlehen in der Höhe von 400’000 Franken von der Gemeinde an den FC Glattfelden enthalten. In einem ersten Schritt würde die Gemeinde also quasi 1,2 der 1,6 Millionen Franken übernehmen.

Die Bedenken vermochten eine Mehrheit jedoch nicht zu überzeugen. Mit 86 Ja- zu 70 Nein-Stimmen genehmigten die Glattfelderinnen und Glattfelder den Eintrag von 800’000 Franken ins Budget. Ob der Kunstrasen tatsächlich realisiert wird, ist jedoch noch nicht klar. Über den Bau wird eine Gemeindeversammlung – voraussichtlich im März oder Juni 2025 entscheiden.

Geht es um Fussball, zeigten sich die Stimmberechtigten also spendabel. Weniger grosszügig waren sie allerdings beim Thema Gemeindekommunikation. Der Gemeinderat hatte diese neu aufgegleist. Die beliebte Glattfelder-App bleibt bestehen, wird künftig aber auch Beiträge der Gemeinde enthalten.

Für die Kommunikation will man nichts bezahlen

Nicht im bisherigen Umfang weitergeführt wird hingegen der Vertrag mit der Lokalinfo AG, der Herausgeberin des Mitteilungsblatts «Der Glattfelder». Stattdessen soll ein Dorf-Magazin alle drei bis vier Wochen erscheinen.

Der Gemeinderat plante deshalb, eine neue Stelle für die Gemeindekommunikation zu schaffen. Die angestellte Person hätte Inhalte für das Magazin geschrieben und redigiert, hätte sich aber auch um die Kommunikation der Gemeindeverwaltung, des Altersheims und der Schule gekümmert.

Doch die neue Kommunikationsstelle stiess auf wenig Begeisterung. «Ich stelle den Antrag, dass dieser Betrag gestrichen wird», forderte ein Votant. «Wir haben zu Beginn einen Vortrag gehört, in welchem erklärt wurde, wie klamm die Finanzen sind. Da erschliesst es sich mir nicht, wieso man jährlich wieder mehr als 100’000 Franken für eine Stelle ausgeben soll.» Er verstehe auch nicht, was diese Person vier Tage pro Woche arbeiten soll.

Steuerfuss bleibt bei 120 Prozent

Der Änderungsantrag zur Streichung der Stelle wurde nach kurzer Diskussion genehmigt. Abgelehnt wurde hingegen ein Antrag auf eine Senkung des Steuerfusses um 5 Punkte auf 115 Prozent. Er verbleibt somit auf 120 Prozent.

Das Budget wurde nach den Änderungsanträgen mit einem Gesamtaufwand von knapp 45 Millionen genehmigt, somit ist ein Plus von 465’400 Franken vorgesehen. Bei den Investitionen steigen die Ausgaben durch den beantragten Beitrag an den Kunstrasenplatz um 800’000 Franken auf 18,9 Millionen Franken.

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