Das Gasthaus Löwen steht leer. Und es ist auch unklar, wie es längerfristig weitergehen soll mit dem traditionsreichen Betrieb. Klar ist dagegen, was in den kommenden zwei Jahren passiert. Denn der Gemeinderat Glattfelden und Martina und Andy Umiker haben sich auf eine Zwischennutzung geeinigt. Geplant ist, das Löwen-Pub donnerstags, freitags und samstags zu öffnen.

Eine tolle Lösung für die Gemeinde

Martina und Andy Umiker geniessen die letzten Sonnenstrahlen auf der Terrasse des Gasthauses Löwen. Soeben haben sie den Vertrag mit der Gemeinde unterzeichnet. Zwei Jahre lang dürfen sie nun Gaststube, Küche, Gartensitzplatz und Parkplatz mieten. «Wir sind sehr glücklich, dass wir nach Einreichung unseres Projekts im Mai nun den Zuschlag bekommen haben», sagt Andy Umiker. Seit Januar letzten Jahres führen Andy und Martina Umiker unter dem Firmennamen Gsellig Bräu AG die Brauerei als Familienbetrieb. Einmal im Monat gab es bis jetzt einen Offenausschank mit Rampenverkauf. Dies soll sich ab Mitte August ändern. Bier geniessen kann man fortan mehrmals die Woche.

Löwen-Pub mit Leben füllen

Die Zwischennutzung der Räumlichkeiten ermögliche es, die Absatzbasis des selbst gebrauten Biers zu vergrössern, betont Andy Umiker. Geplant sei, Donnerstag, Freitag und Samstag das Löwen-Pub mit Leben zu füllen. Dabei habe man ein offenes Ohr für Gäste und Vereine und sei flexibel mit den Öffnungszeiten. Die Ideen sprudeln beim Ehepaar nur so.

Im Angebot sollen neben dem Glattfelder und dem Gsellig-Bräu-Bier auch einfache, aber qualitativ hochwertige kleine Snacks wie Pommes frites, Pouletflügeli und Flammkuchen stehen – auch eine Wurst vom Grill wird je nach Wetter nicht fehlen. Bereits sei man daran, Einsatzlisten zu erstellen. «Der Glattfelder Bobby ist unser Tätschmeister vor Ort, ich bin für den Brauteil zuständig», sagt Umiker. Durch die Option, den Saal im Obergeschoss bei Bedarf zu mieten, seien in Zukunft auch verschiedene Events unter Beizug eines Cateringservices möglich. Sein Pensum als Pilot bei der Swiss habe er auf 80 Prozent reduziert, um genügend Zeit für dieses Projekt zu haben. «Zudem unterstützen uns neben den Familienmitgliedern weitere Freelancer aus dem Dorf.»

Neben Stammtischgästen und Jassfreudigen wolle man auch die Jungen miteinbeziehen. So ist vorgesehen, im kleinen Saal angrenzend an die Gaststube einen grossen Fernseher und einen
Töggelikasten aufzustellen. «Vielleicht entsteht daraus eine Art Sportbar mit Bierpong-Turnieren.
» Auf jeden Fall solle alles unkompliziert bleiben, ohne Tischservice. Die Gäste holen Getränke
und Essen an der Bar und bezahlen direkt.

So könne man Personalkosten sparen. Ja, sie hätten seit der Übernahme der Brauerei viele Kontakte mit der Bevölkerung knüpfen können. «Wir kennen in Glattfelden inzwischen mehr Leute als an unserem Wohnort Würenlos. Und wir spüren den Goodwill der Gemeinde.»

Ein Mehrwert für die Bevölkerung

Gemeinderätin Michèle Dünki-Bättig, zuständig für Finanzen, Steuern und Liegenschaften, ist vom Konzept überzeugt. «Es ist eine tolle Lösung für die Gemeinde und ein Mehrwert für die Bevölkerung.» Es sei schnell klar geworden, dass der Prozess längere Zeit in Anspruch nehmen werde und eine Zwischennutzung des Löwen ausgeschrieben werden solle. «Wir verfolgen im Moment fünf Varianten weiter und werden diese an der Informationsveranstaltung vom 2. Oktober wieder mit der Bevölkerung diskutieren.» Auch Gemeindepräsident Marco Dindo freut sich, dass im Löwen wieder Leben einkehrt. «Ich hoffe, dass das Konzept bei der Bevölkerung auf Anklang stösst.»

Bevor es in einem Monat so richtig losgeht, stehen noch einige Arbeiten an. Eine gedeckte Smoker- Lounge in der ehemaligen Kegelbahn wird eingerichtet. Martina Umiker hat eigenhändig Rollen an die Palettenmöbel montiert, um diese leichter manövrieren zu können. Nun braucht kein Gast mehr Angst vor schlechtem Wetter zu haben, wenn es beim Offenausschank wider Erwarten regnen sollte.

Die Tische und die Bänke werden per sofort auf die Gartenterrasse gezügelt. Die Sonnenstoren schützen vor sengender Sonne genauso wie vor einzelnen Regentropfen. «Und im Inneren ist es immer trocken und gemütlich», sagt Martina Umiker schmunzelnd, während sie rote Papierservietten in Biergläser drapiert.

Quantensprung für die Brauerei

31 Sude habe er letztes Jahr gebraut, erzählt der leidenschaftliche Bierbrauer Umiker. Dieses Jahr habe er bereits den 17. Sud angesetzt – die Tendenz sei steigend. Der zweijährige Vertrag mit der Gemeinde zur Zwischennutzung des Löwen bedeuteeinen Quantensprung. «So hat die Brauerei längerfristig Überlebenschancen.»

Umikers haben sieben verschiedene Biersorten im Angebot – drei davon rezeptseitig vom Glattfelder Bier, vier weitere sind Eigenentwicklungen von Gsellig Bräu. Das helle Bier verkaufe sich grundsätzlich am besten, bekomme allerdings Konkurrenz vom Göpfi-Bier. 15’000 Liter des Gerstensaftes habe er letztes Jahr gebraut. «Das hat viel mit körperlicher Arbeit zu tun.»

(Quelle Text & Bild, Ruth Hafner Dackerman)

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